Keine Angst vor Schweizer Wein!

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Ein kleiner Überblick über Schweizer Weinanbauregionen und ihre Weine

In der Schweiz wird auf ca. 15.000 ha Wein angebaut. In Deutschland sind es ca. 102.000 ha. Es ist also ein eher kleines Weinbauland, doch der verwinkelte Alpenstaat bietet wunderbare Weinüberraschungen.

Weinbauland Schweiz

In jedem Kanton der Schweiz werden Weinstöcke gepflegt. Vor allem entlang der sonnenverwöhnten Flusstäler von Rhein und Rhône sowie an den Ufern der großen Seen erstrecken sich die Rebberge. Doch werden die Kantone einzeln betrachtet, sind erhebliche Unterschiede erkennbar.335_005_07_-ZH_Pircher_26_PvonAh Zwei Drittel des Schweizer Weins werden in der Westschweiz, vor allem dem Waadtland und dem Wallis produziert. Hier prägen die Weinberge das Landschaftsbild maßgeblich. Oft ein atemberaubend schöner Anblick. Im Waadtland gehören die Weinterrassen von Lavaux mit Blick auf den See und die Alpenseit 2007 zum Unesco Welterbe. Die knapp 2 Hektar Reben in Kanton Glarus hingegen fallen wohl erst auf, wenn man gezielt nach ihnen sucht.

335_005_06_VD_Regional_11_PvonAhSchweizweit hat sich – ganz den Verbrauchervorlieben entsprechend – das Verhältnis von weißen und roten Rebsorten in den letzten Jahren immer weiter zugunsten der roten verschoben. Die unterschiede in den jeweiligen Anbaugebieten können jedoch erheblich sein: im Tessin sind 87% der Anbaufläche mit roten Trauben, überwiegend Merlot, bedeckt. Im Waadland hingegen sind die Rebbbauern dem Chasselas (Gutedel) treu, der auf 92% der Anbaufläche wächst.

Die Weinanbauregionen

In vielen Kantonen sind die Rebbestände nicht größer als 100 ha, weswegen sie nicht als Weinanbaugebiet bezeichnet werden. Grundsätzlich wird die Schweiz in 6 Weinanbaugebiete unterteilt, von denen einige mehrere kleinere Regionen kantonsübergreifend zusammenfassen.

Der Größe nach geordnet finden wir das Wallis, das Waadtland, Genf, die 3-Seen-Region (Lac de Neuchâtel, des Lac de Morat (Murtensee) und Bielersee), das Tessin und die Deutschschweiz.

Häufig werden die Schweizer Weinanbaugebiete auch den Sprachgrenzen entsprechend aufgeteilt. Betrachtet man die unterschiedliche Gewichtung der am häufigsten angebauten Sorten, ist diese Einteilung durchaus sinnvoll. In der Deutschschweiz herrschen vor allem Pinot Noir und Riesling × Silvaner vor. Die Weinbauern in der Suisse romande setzen auf Pinot Noir und Chasselas. Und in der Svizzera italiana dominiert der Merlot.

Die wichtigsten Rebsorten

Außerhalb der Schweiz sind die bekanntesten Weine sicherlich der Fendant und der Dôle. Beide Weine stamme aus dem Wallis, dem größten Weinanbaugebiet der Schweiz. Während Fendat 335_005_08_TI_Zanini_16_PvonAhlediglich die Walliser Bezeichnung für den Chasselas ist, handelt es sich beim Dôle um eine Rotweincuvée, die mindestens zu 85% aus Pinot Noir und Gamay besteht, wobei der Pinot Noir überwiegen muss. Weiternin kann der Dôle bis zu 15% andere Rotweinsorten enthalten.

Schweizweit werden auf der vergleichsweise kleinen Fläche von knapp 15’000 ha über 220 verschiedenen Rebsorten kultiviert. Darunter einige weltweit einmalige Spezialitäten. Diese Zahl muss allerdings im richtigen Kontext gelesen werden. Denn 82% der Schweizer Weinberge sind ausschließlich mit acht Traubensorten – dem Pinot Noir, Chasselas (Gutedel), Gamay, Merlot, Riesling × Silvaner (Müller-Thurgau), Gamaret, Chardonnay und Silvaner – bestockt.

Ein Weltstar neben einheimischen Prinzessinnen

Die eingangs erwähnten Weinüberraschungen der Schweizer Weine sind zum einen in ihrer Qualität zu finden. Vor allem Schweizer Pinot noir braucht sich im internationalen Vergleich ganz und gar nicht zu verstecken. Neben den großen Weinbaubetrieben bieten viele kleine, sehr engagierte, qualitätsbewusste und authentische Winzerinnen335_005_05_NE_Auvernier_14_PvonAh und Winzer ihre charaktervollen Pinots an. Zum anderen müssen die einheimischen Spezialitäten die größte Entdeckungslust in jedem Weinliebhaber wecken. Mittlerweile immer wieder auch in Deutschland erhältlich sind Petite Arvine, Heida (oder Paien), Humagne rouge und Cornalin.

Diese kurzen Sätze werden diesen spannenden Weinen und dem wunderschönen Weinbauland Schweiz keineswegs gerecht. Deshalb werden wir uns in diesem Blog regelmäßig den Schweizer Weinen, Winzern und Rebbergen widmen.

Wir werfen das Flutlicht auf den Schweizer Wein! Seid dabei!

Jetzt ist die Gelegenheit. Jetzt.

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Wie kommt man dazu, Schweizer Wein zu trinken,

wenn man als Nicht-Schweizer nicht in der Schweiz ist?

Irgendwie gar nicht.

Natürlich kann, darf und will ich das hier nicht so stehen lassen. Schließlich habe ich schon sehr viel meiner Lebens- und Arbeitszeit damit verbracht, den Nicht-Schweizern, die nicht in der Schweiz sind, Schweizer Wein einzuschenken. Aus Überzeugung und mit Herzblut.

Schweizer Wein gibt es vor allem in gastronomischen Betrieben, die meistens einen Begriff wie Schweiz, Berg , Hütte oder Alm in ihrem Namen tragen. Und es gibt den einen oder anderen kleinen lokalen Weinhändler, der seinem Sortiment mit Schweizer Weinen den Hauch des Exotischen verleihen möchte. Größere Weinhändler haben häufig noch einen Alibi-Fendant oder -Dôle im Regal stehen. Doch in der Regel findet man keine Schweizer Weine im Angebot. Sie werden auch nicht gesucht. Höchstens von den Schweizern, die nicht in der Schweiz sind und Nicht-Schweizer zu Gast haben.335_005_08_TI_Regional_22_PvonAh

Schade. Richtig schade. Denn man muss sich nur die geographischen Gegebenheiten der Schweizer Weinanbaugebiete (ja Plural, Gebiete) anschauen und es wird klar, dass die Weinreben hier die besten Voraussetzungen finden, um phantastisch zu reifen und dass ebenso phantastische Weine aus den Trauben gekeltert werden können.

Entlang der Flüsse und Seen liegen die Weinberge auf sonnenverwöhnten Hang- und Steillagen. In den Flusstälern der Rhône und des Rheins unterstützt zudem der Föhn, ein warmer Fallwind, die Traubenreife. In den Bergen herrschen vor allem zum Ende das Sommers starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht- Trauben lieben das.

Ich denke, Ihnen wird langsam klar, dass Sie etwas verpasst haben. Doch es kommt noch schlimmer bzw. besser- je nach Perspektive. Denn die Schweizer Winzer sind im Besitz eines einmaligen Schatzes: In Ihren Rebbergen wachsen äußerst seltene einheimische Traubensorten. In den letzten Jahren haben sie sich zum Teil zu internationalem Format335_005_10_SH_Gasser-Bo¦êsch_01_PvonAh gemausert und wenn man denn die Wahl hätte, was jetzt ins Glas soll, wäre es oft schwierig zwischen einem hochklassigen Schweizer oder einem andern hochklassigen Wein zu entscheiden. Petite Arvine, Heida oder Humagne rouge heißen die Shooting Stars unter ihnen, die in den letzten Jahren am meisten Rebfläche dazu gewonnen haben.

Dass die Schweizer Weine außerhalb der Schweiz kaum zu finden sind, liegt nicht an ihrer Seltenheit. Vor allem viele kleine Winzer wünschen sich Vertriebspartner im Ausland. Leider gibt es nur wenige Weinhändler oder -Importeure, denen die Schweizer Weine so sehr am Herzen liegen, dass sie die Arbeit auf sich nehmen. Denn Weine, nach denen erst mal nicht gesucht wird, müssen von den Händlern bekannt und dem Kunden schmackhaft gemacht werden. Die meisten greifen doch gerne zum Altvertrauten. Und zum Billigen – und das ist ein weiterer Knackpunkt, der verhindert, dass von den Nicht-Schweizern, die nicht in der Schweiz sind, so335_005_10_SH_Regional_110_PvonAh selten bzw. nie Schweizer Wein getrunken wird. Vor allem die hohen Lohnkosten in der Schweiz sorgen dafür, dass kaum eine Flasche Wein von dort unter zehn Euro verkauft werden kann. Doch es gibt für alle eine Win-Win-Situation: Sie müssen den Schweizer Wein kaufen, der über 20 Euro kostet! Und nein, das schreibe ich nicht, weil mir die Weinhändler das so eingeflößt haben. Erst die hochpreisigen Schweizer Weine können im Preis-Leistungsverhältnis mit anderen europäischen Weinen konkurrieren. Denn die Qualität der Schweizer Weine ist in vielen Fällen so hoch, dass, kämen sie aus einem „angesehenen“ Weinland, wahrscheinlich noch mehr bezahlt werden müsste.

Und jetzt kann ich endlich schreiben, was ich die ganze Zeit schreiben und sagen möchte: Ergreifen Sie die Gelegenheit! Sobald sie irgendwo auf Schweizer Weine stoßen, greifen Sie zu. Sofort! Egal ob im Restaurant, im Weinladen oder im Internet. Seien sie entdeckungsfreudig. Überraschen Sie sich und andere als Nicht-Schweizer, die nicht in der Schweiz wohnen und nach Schweizer Wein suchen.

Viel Spaß dabei!

Wir werden im Laufe der Zeit immer wieder über Schweizer Weine, Reben und Winzer schreiben, damit Sie wissen, wonach Sie ihren Weinhändler fragen müssen.

Eine kleine Auswahl an Schweizer Weinen bietet natürlich auch Herr von Due hier an.

Berge, Wein und Schoggi

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Eine kleine zunächst unbeabsichtigte Wandertour zu und durch einen der

höchsten Weinberge Europas: die Rieben bei Visperterminen

Ich hab’s nicht anders gewollt.

Jetzt stehe ich in Visperterminen. IMG_2517 bear

An jeder Haltestelle, die der Bus höher kletterte, siegte die Neugier über die Vernunft und ich blieb sitzen.

Hier an der Endstation habe ich zwei Möglichkeiten. Warten oder wandern. Warten kann ich eigentlich ganz gut. Zu gerne sitze ich in einem Café und vertiefe mich in jede noch so unsinnige Lektüre. Doch mein Frühstück hatte ich gerade im Bus (Kaffee to go und ein Schokoriegel). Und dann ist da dieser Drang, nein der Ruf, der vielbeschworene. Also laufe ich dem Berg entgegen und hoffentlich bald bergab Richtung Rieben. Dort möchte ich eigentlich hin. Zwischen mir und diesem vermeintlich höchsten Weinberg Europas liegen ca. 500 m Höhenunterschied und ein unbekannter Weg. Eine Karte hab ich nicht. Mein ganzes Vertrauen ruht auf den gewissenhaft ausgeschilderten Schweizer Wanderwegen.

Nein ich mache keinen Selbstfindungsurlaub al la „jeder Weg führt zu mir“ – im Schatten der allmächtigen Alpen. Ich möchte fotografieren. Exakter: ich möchte Weinberge, Weinreben und Weintrauben in jeglicher Form und mit allem Drum und Dran fotografieren.

IMG_2631 bearb2014Nach 15 Minuten laufen (auf einem Wanderweg wandert man, oder? Aber kann man nach 15 Minuten schon vom wandern sprechen?), also laufen, bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil ich die Kamera noch nicht ausgepackt habe. Es ist zwar kein Weinberg in Sicht, aber man kann ja nie wissen. Mit der Kamera in der Hand wird so manch unbeachteter Kuhstall plötzlich zum Motiv. Doch das Licht ist trübe und das betrübt mich. Der Föhn sollte doch heute die Wolken vertreiben, der Schuft. Es bläst kein Föhn und die Wolken bleiben. Die frühe Sonne kriecht über den Berg und gibt ihr Bestes, doch noch eine schöne Morgenstimmung zu verbreiten. Ich schätze das und versuche, die ersten Bilder einzufangen: Gegenlichtmatsch. Pastellfarben. Schatten. Schattige Pastellfarben. Schattige Pastellfarben im Matsch. Ich sehe zu, dass ich weg komme und hoffe in jeglicher Hinsicht auf Sonnenschein. Während ich laufe – mittlerweile wandere – merke ich, dass ich gerne wandere. Gestern half ich noch bei der Weinlese und dachte, dass ich arbeite. Das tat ich auch. Doch die eigentliche Arbeit bestand darin, immer wieder neue Positionen einzunehmen, um dem Schmerz der Fehlhaltung entgegenzuwirken. Bis sich die neue Haltung wieder als fehl und schmerzhaft herausstellte. Ich verlor mich im Detail der Weintraube. Und da ich blutige Anfängerin bin, rutschte ich im Weinschneckchentempo von Rebstock zu Rebstock. Jetzt erstreckt sich vor mir, neben mir und unter mir einfach nur Weite. Manchmal überkommt mich der Übermut und ich hopse gar den Berg hinab.

Als ich die Weinberge endlich sehen kann, weiß ich, dass es richtig war, sich von der Neugier immer weiter hinauf leiten zu lassen. Von hier oben bekomme ich wirklich ein Gefühl von derIMG_2756 bear Höhe der Rieben. Vom Tal aus betrachtet erscheinen sie im Schatten der Drei- und Viertausender, trotz der eingenen 1000 m ü.M., wie ein deprimierter Hügel. Doch hier, dem Himmel ein Stück näher und mit der frischen Bergluft in der Nase, gebe ich mir alle Mühe, dieses „Hochgefühl“ auch auf den Fotos festzuhalten. Ich spiele mit Blende und Perspektive und vergesse den schattigen Pastellfarbenmatsch vom Beginn meiner Wanderung.

Dann bin ich mitten in den Reben. Die Sonne lässt sich immer noch bitten und fordert weiterhin Geduld und Optik heraus. Auf dem gesamten Weinberg werden fleißig die Trauben gelesen. Mit Kamera und ungeeignetem Schuhwerk bin ich für alle auf den ersten Blick als Touristin zu erkennen. Man grüßt mich mit höflicher Distanz, lässt mich rumturnen und Fotos schießen, bis sich schließlich doch noch der Sonnenschein ausbreitet.

Beim „Abstieg“ schenkt mir ein Ehepaar eine ganze Traube Heida*. Ich zupfe nicht Beere für Beere einzeln ab, sondern knabber genüsslich an der ganzen Traube. Zu den Grüßen kommen nun auch grinsende Gesichter. Die einen mehr, die anderen weniger breit. Doch anscheinend hat man seinen Spaß an der naschenden Fotografin. Als ich die offiziell breitgetretenen Wege verlasse und wirklich querbergein zwischen den Reben hinabsteigen möchte, muss ich den Rest meiner Knabbertraube wegwerfen. Höhenangst und steinig-steile Wege fordern alle meine Sinne heraus. Ich suche Treppen und finde Mauern. Ich suche Halt und rutsche weiter. Ich komme zum Höhepunkt. Auf jeden Fall, was den Adrenalinspiegel angeht. Auf den letzten Metern wird mein Wanderausflug noch eine richtige Klettertour und die emsigen Weinleser haben meine volle Hochachtung.

IMG_1785Der Talboden ist nahe, die Chipkarte in der Kamera ist voll und mein Magen leer. Ohne etwas zu essen überwinde ich keinen Höhenmeter mehr. Dreieinhalb Stunden lang kann kein Frühstücksschokoriegel nähren. Doch woher hätte ich wissen sollen, wo mich Bus und Neugier hinbringen? Morgen hab ich eine ganze Tafel Schoggi im Rucksack.

Weitere Tipps und Informationen:

*Heida ist der Oberwalliser Name der Rebsorte Savagnin Blanc. Im Schweizer Kanton Wallis werden seit einigen Jahren wieder Spitzenweine aus dieser Rebsorte gekeltert. Herr von Due ist stolz, den Heida der Kellerei Chanton aus Visp exklusiv in Deutschland anbieten zu können. Denn Senior Chosy Chanton erweckte den Haida in den 1960er Jahren aus seinem Dornröschenschlaf, nachdem er in direkter Nachbarschaft der Rieben einen Hektar Heida neu anpflanzte. Für eine kleine Familienkellerei war das damals eigentlich Wahnsinn. Wahnsinn, der sich ausgezahlt hat: Die Heidaweine der Kellerei Chanton gehören seit langem zu den besten der Schweiz.

Wer selber einmal durch die wunderschönen Weinberge des Oberwallis wandern möchte, kann sich auf der Homepage von Visperterminen einstimmen und informieren. Jetzt im Herbst ist die schönste Jahreszeit, um sich von den verschwenderischen Farben der Rebstöcke und Wälder bezaubern zu lassen.

Häufig werden die Rieben als DER höchste Weinberg Europas bezeichnet. Wer es besser weiß und sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, ist der Walliser Genetiker-Ampelograph und Weinliebhaber Dr. José Vouillamoz. Wer sich für Weine aus den höchsten Lagen Europas interessiert, kann hier Näheres erfahren:

Die Wahrheit über Heida“